07.07.2021

Sommertour RespekTier - Benjamin Raschke beindruckt von der Arbeit der Büger:inneninitiative Roddahn minus Putenmast

Die Bürger:inneninitiative Roddahn minus Putenmast gründete sich 2009. Der Gründung vorausgegangen waren 10 Jahre in denen die Mast von mehreren zehntausend Puten in unmittelbarer Nähe von Wohnhäusern das Dorf belastete. Thomas Storck, bis Mai 2021 Vorsitzender des Verbands Deutscher Putenerzeuger und Vizepräsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft, betreibt in Roddahn den Betrieb "Gut Jäglitz" mit mehreren Ställen, in denen bis 28.500 Puten gehalten werden dürfen. 

 

Benjamin Raschke, Fraktionsvorsitzender und tierschutzpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Brandenburger Landtag, besuchte Roddahn im Rahmen seiner Sommertour RespekTIER, um sich bei einem Dorfrundgang die Situation vor Ort anzuschauen. Benjamin Raschke sagt:

„Die langjährige und engagierte Arbeit der Bürger:inneninitiative beeindruckt mich sehr und ich bin sehr dankbar für dieses Engagement. Die Nähe der Putenmastställe zu Wohnhäusern, Kita, Schule und Kirche mit eigenen Augen zu sehen, ergibt noch einmal ein anderes Verständnis für die Belastungen, auf welche die Bürger:inneninitiative seit Jahren über Eingaben und Anzeigen an Behörden und mittels Aktionen aufmerksam machen. Vor allem aber geht es hier auch um Tierschutz.

Mit einem neu enthüllten Plakat am Dorfeingang weist die Bürger:inneninitiative hin, unter welchen grausamen Umständen Puten hinter den Stallmauern gemästet werden.

 

Viele Verbraucher:innen wissen leider nicht, wie Putenfleisch in Deutschland hergestellt wird. Nach wie vor gibt es keine Haltungsverordnung für Puten in Deutschland. Eine freiwillige Vereinbarung der Deutschen Putenzüchter besagt, dass die Besatzdichte von 45 kg bei Putenhennen pro Quadratmeter nutzbarer Stallgrundfläche und von 50 kg bei Putenhähnen pro Quadratmeter nicht überschritten werden sollte. Verpflichtend ist dies nicht.

Die Puten in der Mast aber wiegen rund 20 Kilogramm - und so müssen sich im besten Fall zwei bis drei Puten mit je rund 20 kg Gewicht einen Quadratmeter teilen. Die Recherchen der Tierrechtsorganisation ARIWA zeigen unter welch qualvollen Bedingungen für die Tiere in den Ställen herrschen.“

 

Hintergrund :

Die schlechten Haltungsbedingungen führen neben viel Tierleid dazu, dass gerade Puten hoch anfällig sind. 2020/21 fanden von insgesamt 11 Ausbrüchen der Geflügelpest in Brandenburg sieben Virusnachweise in Putenställen statt, in denen mehr als 131.200 Tiere gekeult wurden. Eine Haltung unter diesen Umständen ist ohne Antibiotikagaben nicht möglich. So deckte bereits 2014 eine Studie des Verbraucherministeriums Nordrhein-Westfallen (NRW) auf, dass neun von zehn Puten mit Antibiotika teils mehrerer Wirkstoffklassen behandelt werden.

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