Ortrand: Sandfang als Hochwasserschutz eine Steuergeldverschwendung? Bündnisgrüne: Minister muss Stellung beziehen

23.03.16

Im Rahmen ihres Hochwasserschutzpaketes plant die Landesregierung an der Stadtgrenze von Ortrand einen Sandfang in der Pulsnitz zu errichten. Gegen das Vorhaben gibt es erhebliche Vorbehalte in der Stadt. Der bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke kündigte bei einem vor Ort Termin am 23. März mit betroffenen Bürgern an, dass Umweltschutzminister Jörg Vogelsänger im Landtag Stellung zu dem Vorhaben beziehen muss.

Laut Projektunterlagen sei der Sandfang für eine Sandfracht von nur etwa 30 Tonnen im Jahr ausgelegt, die Baukosten lägen dann schon bei ca. 330.000 Euro, erklärte der Ortrander Diplom-Mathematiker Klaus Hauptvogel.  Das ganze Vorhaben sei „Verschwendung von Steuergeldern“, kritisierte Hauptvogel. Denn tatsächlich würde die Menge Sand eher bei 10.000 Tonnen pro Jahr liegen, die Kosten lägen dann vermutlich bei über 100 Millionen Euro. Nicht nur die Berechnungsmethode sei falsch, auch die zugrunde liegenden Messungen seien unzureichend: "Für die Datenerhebung hat das Planungsbüro nur einmal an einem Tag, dem 21. Mai 2008, einen Geschiebefänger (spezieller Kescher) an drei Stellen zehn Minuten lang ins Wasser gehalten und den aufgefangenen Sand gewogen", bemängelte Hauptvogel. Auf Basis dieser Messungen soll nun der Sandfang gebaut werden.

„Es ist völlig unverständlich, warum die Landesregierung auf Basis solcher Berechnungen so viel Geld ausgeben will“, sagt Benjamin Raschke. Minister Vogelsänger soll nun dem Landtagsabgeordneten und den Ortrander Bürgern Rechenschaft ablegen. Der bündnisgrüne Umweltpolitiker kündigte eine parlamentarische Anfrage an. Sollte sich die Kalkulation als fehlerhaft herausstellen, könne man das Geld für sinnvollere Hochwasserschutzmaßnahmen in Ortrand einsetzen. Derzeit laufe noch das Planfeststellungverfahren: „Veränderungen der Planungen sind also noch möglich, ohne das Geld in den Sand gesetzt wird“, sagte Raschke.

Hintergrund

Um zu verhindern, dass die im Jahr 2000 zu niedrig gebaute Autobahnbrücke vor Ortrand bei Hochwasser als Nadelöhr wirkt, will die Landesregierung ein Bündel von Maßnahmen in die Wege leiten. Neben den Bau den Deichen und der Ausbaggerung der Pulsnitz, soll unter anderem ein Sandfang errichtet werden. Mithilfe des Sandfangs sollen Sedimente abgefangen werden.

 

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Natur- und Umweltschutz Pressemitteilung